Wichtel-Rekord: 1.845 Euro ersteigert

Wichtel-Rekord: 1.845 Euro ersteigert

Die 19. Weihnachtsgeschenke-Wichtelauktion hatte viel Presse vorab. Die Zeitungen, das Regionalfernsehen und Bielefelds Westliche sorgten offenbar dafür, dass der Saal der Heilsarmee an der Siegfriedstraße bereits eine halbe Stunde vor Beginn kaum noch freie Sitzplätze bot. Angesichts der Fülle zur neuen Ausgabe der Versteigerung ungeliebter Weihnachtsgeschenke meinte dann auch ein Besucher: „Wir können ja auf die Alm ausweichen, die ist noch frei.“ Wobei er Unrecht hatte, denn dort fand zeitgleich der Wintercup statt.

Immerhin und egal: Sowohl der Andrang als auch das gespendete Angebot an Preziosen brach alle Rekorde seit Bestehen des IMG_0585Formats. Auktionator Christian Presch wusste souverän und gut gelaunt, die nicht gemochten Gegenstände mit viel Witz an Frau und Mann zu bringen. Geschlagene dreieinhalb Stunden hielten die Gäste durch, bis alles weg war. Und Presch war es hoch anzurechnen, dass er bis zuletzt selbst für die seltsamste Gabe Elan und Stimme besaß, sie anzupreisen.

Am Tag der heiligen drei Könige war noch einmal alles unter dem Hammer zu sehen, was das Weihnachtsfest für Absonderlichkeiten hergeben kann. Sei es Tannenschmuck, der noch Mark-Preise aufwies oder Pannen und Putten jenseits der Vorstellungskraft. Das gemeinsame „Ahh“ und „Ohh“ erfüllte den Saal bei deren Ansicht zu oft, um wahr zu sein. Schon zu Beginn hob Presch den Preis für ein paar hölzerne Kunstfiguren in 1-Euro-Schritten schneller auf 18, als den Bietern mit ihren gehobenen Händen bewusst war.

„Alles verpacken“

Stets war die Stimmung hoch, wenn der Auktionator noch eingepackte Geschenke der Rubrik „Wir wissen nicht, was drin ist“ feil bot. Schon das erste Gebot für die Unwissenheit ging auf 10 Euro, was den Hammerschwingenden zu der Annahme verleitete, im kommenden Jahr einfach alle Waren in Geschenkpapier zu verpacken. Gelegentlich, wenn sich so keine InteressentInnen für ein Produkt finden wollten, konnte zumindest jemand mittels einer Obendreingabe ermittelt werden: Dafür hatte Presch genug Grillzangen von Kurz Um oder „Apotheken-Pakete“ parat, um auch die letzten Christbaumkugeln unterzubringen.

IMG_0594Ein FC-Bayern-Schal von Michael Ballack wurde skeptisch kommentiert: „Ich weiß nicht, ob ich das in Bielefeld darf.“ Doch dieser ging immerhin für fünf Euro über den Tisch. Das signierte Auswärts-Trikot von Arminia-Spieler und -Kapitän Julian Börner (der auf der Alm fast zeitgleich auf spektakuläre Weise einen Gegentreffer vereitelte) war stattdessen 55 Euro wert. Auch beliebt: Die Reihe „Wo wäre die Menschheit, wenn es diese Produkte nicht gäbe?“ (Presch). Ein Auto-Getränkehalter, der sich je nach Kurvenlage neigt, verließ das Angebot immerhin für 15 Euro.

Erstmals gab es auch Rückgaben von erstandenem Material aus dem letzten Jahr. So sorgte in 2017 das Diät-Buch von Dr. Funfack für einige Belustigung („Ich funfacke jetzt“). Trotz der beigefügten, geschriebenen Worte des Schenkers („Ich habe 0 Kilo damit abgenommen“) fanden sich Abnehmer dafür. Eine bessere Diät-Idee hatte Presch dann für ein folgendes Frühstücks-Tablett, auf dem vier Fotos Platz gefunden hätten: „Hier Trump, da Putin, dort Erdogan, hier Gerhard Schröder – schon will das Essen nicht mehr durch den Hals.“

Unkluge Weihnachtsgeschenke: Kosmetik

Eine Übersicht über das gespendete Angebot an ungeliebten Geschenken ließ den Auktionator urteilen: „Würde man hier eine statistische Auswertung erheben, dann wäre es anscheinend nicht klug, Kosmetik zu verschenken.“ Denn es kamen sehr oft Düfte, Tiegelchen etc. unter den Hammer.

Insgesamt kamen an diesem Nachmittag 1.845 Euro zusammen, ein Rekord für die Wichtelauktion. Ein Bautrockner für 70 Euro, eine alte Verkaufswaage für 80 Euro und nicht zuletzt das Angebot des Gastgebers, Heilarmee-Pfarrer Michael Geymeier, sich an einem Tag mit seinem Zuckerwatte-Stand zur Verfügung zu stellen (100 Euro), sorgten für die hohe Endsumme. Und dieser Betrag geht zu gleichen Teilen an das AWO-Projekt „Sprache schenken“ und den Verein „Bielefeld United“, der sich im Sport für Integration einsetzt.

Herzlichen Glückwunsch. Macht was draus.

Bilder von der Wichtel-Auktion 2018:

Edeka NiehoffDesperadoPorzellansalon

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