Kulturblüten im Parkbeton

Kulturblüten im Parkbeton

Seitdem die Subkultur eingezogen ist, mausert sich die Autoablage am Ostwestfalendamm zum Geheimtipp. Einmal hingeschaut.

Im großen Parkhaus unten am Ostwestfalendamm (OWD) passiert seit einigen Jahren eine ganze Menge: Wo früher Autos zugelassen wurden, hämmern am Wochenende neuerdings Elektro-Rhythmen, treffen sich donnerstags die Youngster zum Pingpong. Eine neue Bar – das ›Cutie‹ – hat eröffnet, ein Container wird für Vernissagen und Mini-Konzerte genutzt. Und das soll nicht alles bleiben.

Längst frequentieren nicht mehr nur Autofahrer den alten Klotz, der einst bei der Stadtsanierung eine große Schneise ins Viertel gerissen hatte. Der Grund für den kulturellen Umbruch liegt wohl darin, dass die Eigentümer vor drei Jahren selbst die Regie des Hauses in die Hand genommen haben. »Das Parkhaus gehört uns zwar seit 1983, aber es war bis 2011 verpachtet«, sagt Volker de Fries, Geschäftsführer des VA-Fonds, dem Eigentümer der Immobilie. Die Parkflächen seien bis dahin nicht besonders gut von den Autofahrern angenommen worden. »Das Gebäude liegt durch den OWD etwas abgeschnitten von der Innenstadt und wird im Vorbeifahren auch nicht richtig wahrgenommen«, so de Fries. Als dann noch das Kino-Parkhaus am Boulevard eröffnet hatte, und die Berufspendler vor dem Umstieg in die Bahn ihre PKW dort abstellten, hätten sich die Fonds-Eigentümer etwas überlegen müssen.

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Auch innen waren die Graffiti-Künstler aktiv.

Runter mit den Preisen (von einem Euro pro Stunde auf drei Euro für den ganzen Tag) und Radiowerbung. Dann kam die Initiative Bielefelder Subkultur (IBS) und interessierte sich für die ehemaligen Räume der Kfz-Zulassungsstelle im Erdgeschoss. Und die IBS brachte nicht nur Partys und Konzerte mit, sondern ein komplettes, subkulturelles Umfeld. De Fries begrüßt es, dass sich Künstler mit ihren Graffiti quer über das ganze Haus, auch innen in den Treppenhäusern austoben können. »Die früheren Schmierereien sind damit Geschichte geworden. Offenbar herrscht ein großer Respekt gegenüber den großformatigen Bildern«, sagt de Fries. Andere Parkhaus-Betreiber hätten sich bei ihm schon danach erkundigt.

Respekt vor großen Bildern

Das Wort ›Crystal Meth‹, das groß neben der Einfahrt an der Wand prangte und bei einigen Ratsmitgliedern für Aufsehen sorgte, musste wieder überstrichen werden. Auch wenn es dort ohne Werturteil zu lesen war. De Fries wusste seinerzeit nicht, dass es sich dabei um eine Droge handelte. Apropos Drogen. Früher habe es oft Probleme mit Abhängigen gegeben, die sich in den Treppenhäusern aufgehalten und auch schon einmal Parkhausbesucher belästigt hätten. »Wir hatten es damals mit einem eigenen Raum für diese Leute versucht, aber der Schuss ging nach hinten los.« Es habe Randalierereien gegeben. Ermahnungen wie »Haltet wenigstens Ordnung, wenn ihr hier sitzt«, hätten nichts genutzt. Eher müsse sich die Stadt um einen Raum kümmern, da sei er der falsche Ansprechpartner, findet de Fries. Und ergänzt: »Die tun mir ja auch leid«.

Seitdem aber so viel Leben im Parkhaus ist, habe sich das Problem erledigt. Offenbar suchten sich die Abhängigen jetzt andere Nischen. Und es wird auch noch mehr Betrieb geben. De Fries freut sich schon auf etwas Neues auf dem Dach, etwas ganz Großes. Doch das ist zum Redaktionsschluss noch nicht ganz offiziell. Aber gespannt darf man sein.

Die Einnahmen des Parkbetriebs sind im Verhältnis doppelt so hoch wie die Mieten, das gilt auch für die Kosten. Das Abstellen von PKW bleibt also weiterhin der Hauptfokus des Fonds. »Aber durch die Veränderungen sind wir jetzt endlich in den schwarzen Zahlen.«

Siehe auch:
Ping Pong bewegt
Bingo!
Eröffnet: Der Uebersehcontainer

Erschienen in der „Viertel“ Nr. 24 (liegt seit Mittwoch in der Bürgerwache und im Viertel aus)

CutieDesperadoEdeka Niehoff

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