Keine Teilhabe im Turnraum

Keine Teilhabe im Turnraum

In älteren Schulgebäuden – wie dem der Stapenhorstschule – ist Inklusion nicht immer möglich

„Wir müssen uns in den nächsten Jahren um die Inklusion kümmern“, sagte Pit Clausen (SPD) im TV-Duell vor der Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters. „Die Menschen mit Behinderungen haben einen Anspruch darauf, in allen Lebensbereichen teilhaben zu können“.

Seit dem die Förderschulen weggefallen sind, sollen behinderte Menschen in allen Schulen „inkludiert“, also alle Kinder in allen Fächern gemeinsamen Unterricht erhalten. Allerdings gelingt das nicht überall, wie das jüngste Beispiel der Stapenhorstschule zeigt. Die hatte sich wegen Raumknappheit um den Umzug in die Räume der Gutenbergschule beworben. Den Zuschlag dafür erhielt aber das Abendgymnasium. Nun muss die Stapenhorstschule an der Siechenmarschstraße erweitert werden.

Neuer Anbau kommt

Ein neuer Anbau soll entstehen, direkt auf dem Lehrerparkplatz. Während dann die Pädagogen auf die Suche nach alternativen Parkmöglichkeiten gehen, darf die Schule die Nutzung ihrer Räume umstrukturieren. Im neuen Bau zum Beispiel so: Lager- und Werkraum im Keller, Klassenraum und Toilettenanlage im Erdgeschoss, Verwaltungstrakt
und Lehrerzimmer ganz oben. Mit den dadurch frei werdenden Kapazitäten im alten Bau könnte so schon einmal die Erweiterung der Mensa erfolgen. Und die ist seit der Einführung der Ganztagsschule dringend nötig.

Ein neuer Aufzug soll die neuen Räume auch für gehbehinderte Menschen erreichbar machen. Aber aus baulichen Gründen gilt das nicht für alle Bereiche: Der Gymnastikraum am Ende des Dachfirstes bleibt nach wie vor für diese Menschen unerreichbar. „Das würde schwierig werden“, sagte Stefan Jüncker vom Immobilien-Service-Betrieb (ISB), der der Stadt Bielefeld den Vorentwurf vorgelegt hat. Und dieser Vorschlag sei auch so angenommen worden, und der Architekt bereits mit der Umsetzung beauftragt.

Das Problem sei die unterschiedliche Dachhöhe. „Es geht einfach nicht aufgrund des Baus“, sagte Jüncker. Und daher sei ein solches Vorhaben nicht nur technisch nicht möglich, sondern gar „illusorisch“.

Wolfgang Baum, Vorsitzender des Beirats für Behindertenfragen, kannte das Vorhaben gar nicht. „Normalerweise werden uns alle Vorhaben dieser Art für eine Stellungnahme vorgestellt“. Allerdings tagt der Beirat derzeit nicht. „Wir haben erst im August Neuwahlen. Im September sind dann die ersten konstituierenden Sitzungen“.

Es gibt also zwei Möglichkeiten: Die Schule weicht auf andere Turnhallen aus. Oder Eltern mit gehbehinderten Kindern schicken ihre Zöglinge auf eine andere Schule.

Erschienen in der „Viertel„, Nr. 25




CutieHauspflegevereinCutie

Sponsoren