Filmgucken mit der AG "Bedingungsloses Grundeinkommen OWL" in der Bürgerwache.

Frohes Schaffen

Zum gemeinsamen Filmgucken hatte die AG „Bedingungsloses Grundeinkommen OWL“ in den Saal der Bürgerwache eingeladen. Es gab: Konstantin Faigles Doku-Fiktion „Frohes Schaffen“ aus dem Jahr 2012, bezeichnend untertitelt mit „Ein Film zur Senkung der Arbeitsmoral.

Da ist der Ingenieur, der noch spätabends sein Home-Office ausnutzt und am Schreibtisch über Schaltplänen tüftelt. Und zusammen bricht. Oder die Freelancerin, die telefonisch um Aufträge bei Filmprojekten bittet. Oder die alleinstehende Mutter, die sich mit einem kleinen Laden für Selbstgenähtes für Kinder selbständig gemacht hat. Allen ist gemein: Sie schuften bis zum Umfallen, das Privatleben kommt zu kurz und die Existenz ist oft bedroht. Demgegenüber wird der 40-jährigen Müßiggängers, der nur drei Tage in der Woche seinem Job in einem Bettenladen nachgeht, mit dem, was er bekommt, zufrieden ist und ansonsten nur gerne etwas mehr Zeit mit seiner Tochter verbringen würde.

Zwischendurch kommen Experten im Interview zu Wort: Der Ökonom Jeremy Rifkin etwa glaubt, viele Menschen seien der Ansicht, Arbeit würde ihr Leben definieren. Dabei sei der Mensch lange Zeit nur Jäger und Sammler gewesen und hätte durchschnittlich nur drei Stunden täglich gearbeitet. Der Historiker Benjamin Hutticut berichtet von dem japanischen Karoshi-Syndrom, bei dem Arbeiter und Angestellte durch Arbeitsüberlastung an Herzversagen sterben. Die Evolutionspsychologin Susan Blackmore hält die Gesellschaft für gespalten in Menschen mit absurd hoher Arbeitsbelastung und solchen mit wenig oder gar keiner Arbeit.

Wozu das alles?

Irgendwann stellt sich dann die Frage: Warum tun wir uns das an? Faigles Antwort darauf wäre: Weil Arbeit inzwischen religiöse Züge angenommen hat.“Sie trägt alle Merkmale einer Religion, eines Glaubenssystems“, unterstützt ihn Hutticut bei seiner These. Und so wird das Arbeitsbedürfnis oder das Bedürfnis nach Schaffung neuer Arbeitsplätze von den Etablierten rauf- und runter-„gepredigt“. Bis jede Frau und jeder Mann glaubt, ohne einen Job wäre sie/er nichts wert und wagt es nicht, sich beim Kennenlernen ohne Beruf vorzustellen.

Und dann landen Arbeitslose in Maßnahmen wie dem „Real Trainings Center“, in dem in einem fiktiven Supermarkt Ware ein- und ausgeräumt oder die Kasse bedient wird. Aber niemand kauft dort ein.

Mit dem Leben und menschlichen Erfahrungen hätte das aber alles nicht viel zu tun. Der Mensch benötige soziales Miteinander und die dabei entstehenden Reibungen und Konfliktlösungen zur Reifung, nicht indem er möglichst individualistisch und mit gutem Einkommen ausgestattet weitgehend unabhängig sein eigenes Ding machen könne (wofür paradoxerweise bis in den späten Abend gearbeitet wird). Letzteres würde heutzutage als erstrebenswert propagiert.

Am Ende haben die Protagonisten vom Beginn des Films diese Krux erkannt. Und sitzen gemeinsam auf der Wiese, spielen Gitarre und singen.

Und dann… ach, wissen Sie was? Lassen wir es gut sein. Die Tastatur kann jetzt auch mal ruhen. Demotiviert ziehen wir uns zurück. Vielleicht bis morgen?

Mehr Infos:
www.frohesschaffen.wfilm.de

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