Das Kochsiek heißt jetzt Greenwich

Das Kochsiek heißt jetzt Greenwich

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Bei der Eröffnung am 23. September.

Aufmerksame Beobachter werden bemerkt haben, dass an der Arndtstraße 45 etwas passiert ist. Richtig, die Gaststätte Kochsiek heißt jetzt „Greenwich“ (ausgesprochen [ɡrenɪdʒ], also ohne „w“). Im Sommer hatten die Inhaber Andreas Oehme, Peter Kappel und Augustin Amor einen Umbau vollzogen. Eröffnung wurde schon am 23. September gefeiert.

Nach der schnellen Übernahme vom vorigen Inhaber Heiko Brunken (siehe hier) hatte man erst einmal alles so belassen wie vorgefunden. „Schließlich hatten wir den Vertrag fix auf einer Serviette beim letzten Weihnachtsmarkt klar gemacht“, verrät Oehme augenzwinkernd. Aber dann sei vor allem den leidenschaftlichen Profi-Köchen klar geworden, dass am Konzept etwas geändert werden muss.

Greenwich – mit dem Namen sei viel zu verbinden. Zum Einen sehe man eine Parallele zum  New Yorker Szene- und Künstlerviertel – eben fast wie im Bielefelder Westen. Zum Anderen ist im Londoner, gleichnamigen Stadtteil der Nullmeridian festgelegt, von dort werden die Längengrade in Richtung Ost und West gezählt. Das hätte auch symbolische Ausstrahlungskraft für etwas Neues [Anm. das Bielefelder Greenwich liegt auf  ~ 8,524° östlicher Länge].

Alter Stuck und Holzverzierungen freigelegt

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Der hintere Saal: Höher, Stuck und Jute.

Während der Umbauphase ist tatsächlich viel passiert. Das Orange ist von der Außenfassade verschwunden und würde – dem Namen entsprechend – durch ein sattes Grün ersetzt. Im Innenraum herrschen ebenfalls Grün und helle Holzfarben vor.  Die Theke wurde verschlankt, was nun zur Folge hat, dass man nicht mehr durch die beiden Vordertüren gehen muss, um in den jeweils anderen Bereich zu gelangen. Die alten Schiebetüren zum Saal wurden freigelegt, auf denen sich kunstvolle Verzierungen fanden.

Und im hinteren Saal fanden die Betreiber tatsächlich noch alte Stuckverzierungen unter der zirka einen Meter abgehangenen Decke. Nachdem dies rückgängig gemacht wurde, tapezierte man die Wände neu – mit Jute. Damit das dortige Essen auch sonst angenehm empfunden wird, wurden neue Sitzmöbel bei der Polsterei um die Ecke hergestellt. Etwas ungewohnt dürften die klaren Fenster unter den hervorgeholten Bögen  anstelle der vorigen Butzenscheiben sein – immerhin sieht der Gast so, wer draußen auf der Arndtstraße vorbei geht, und der Passant, ob Bekannte und Freunde drinnen anzutreffen sind.

„Organic Food“ – Speisekarten-Revolution

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Spaß am Experimentieren: Peter Kappel und Oliver Kersten (von links) in der Küche.

Die wahre Revolution findet aber auf der Speisekarte statt. „Organic Food“ ist direkt unter dem Namen des neuen Lokals zu lesen. Das bedeutet nicht unbedingt gleich vegetarisch und vegan, obwohl es solche Gerichte ebenfalls im Greenwich gibt. „Es ist ein Begriff, der aus dem Amerikanischen kommt“, erläutert Oehme. „Die Lebensmittel stammen aus nachhaltigen Produktionen, von Händlern, die wir aus der Region schon lange kennen. Immer bio und wenn Fleisch, dann nicht aus Massentierhaltungen.“

Die neue Vorgehensweise sorgte vor einigen Tagen bereits für Aufsehen, als die Nachbarschaft meinte, noch immer Handwerkerlärm aus dem Greenwich zu vernehmen. Die Geräusche, die als Meißel-Hammer interpretiert wurden, konnte Augustin Amor aber zur Überraschung vieler erklären: „Die [Köche] zerteilen grad den Thorax eines Lamms“. Eben Kochen von der Pike auf. Dazu zählt auch, dass viele der Gewürze aus den Lebensmitteln selbst hergestellt werden. „Geschmackstexturen“ nennt man das vor Ort. Man wolle nunmal weniger in Ausstattung statt in Köche und Küche investieren.

Probe-Diner

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In Aktion: Augustin Amor.

Ein kleines Probe-Diner zeigt, dass die Köche Peter Kappel und Oliver Kersten Spaß am Experimentieren und Überraschen haben. Die Karte soll künftig oft variieren, darum wurde noch einmal schnell von der aktuellen bestellt. Als Vorspeise erweist sich die Gaumenexplosion „Sainte-Maure-Käse mit Pistazienkruste, Gewürzbirne und Rucola“ (8,50 Euro) schon beinahe wie eine ganze Mahlzeit. Gegenüber sind die „Geschmorten Salatherzen mit Tomaten, Speckdressing und pochiertem Ei“ (7,20 Euro) ebenso ergiebig. Besonders die angenehm-fruchtigen Dressings sorgen dafür, dass die Vorspeise zum Hauptgang wird. Die Zutaten lassen sich aber weder komplett erraten noch das Geheimnis dazu von den Köchen entlocken.

Von wegen sparsame Teller in der „Haute cuisine“: Der „Lammrücken vom Eifler-Urlamm mit Kräuter-Jus und Kartoffel-Bohnengemüse“ (18,50 Euro) kommt üppig daher, kein Gramm Fett zuviel und mit blauen Kartoffeln bereitet das eigens hergestellte Jus der Sauce eine erdig-angenehme Schwere. Auch hier: Die Geschmacksknospen zünden! Von drüben ist nur über „Brust und Keule vom Perlhuhn mit Spitzkohl-Edelpilz-Gemüse und Kartoffelrösti“ (15,50 Euro) zu hören: „Ich wusste gar nicht, dass Perlhuhn so zart sein kann“.

Am Ende bereitet Augustin den Probanden noch eine Freude. „Florida Keys Lime Pie“ (5,50 Euro) als kleines Obenauf, allerdings nicht als Kuchen oder geschichtet, sondern alle Komponenten „dekonstruiert (O-Ton Augustin) auf dem Teller: Man kann sich mit Gabel und Löffeln die „Bälle“ zuspielen. Mit den Varianten grünem Pesto und Brombeer-Konfitüre ließ sich so mit den Limetten-Käse-Quadern und den Zitronenkeksen das eigene, abschließende Feuerwerk im Mund besorgen.

Gin-Bar

Liebhaber des Gins kommen künftig im „Greenwich“ ebenfalls auf ihre Kosten. Die Wacholder-Spirituose ist ein Lieblingsthema der Inhaber und „mal was anderes als Whiskey“ (Oehme). Da der Gin schon in anderen Ländern wie Spanien immer beliebter ist, wollen sie ihn demnächst auch hier etablieren. Immerhin: 22 Sorten davon stehen im Regal, aus aller Herren Länder.

Wer sich einmal selbst überzeugen möchte, kann dies täglich ab 17 Uhr tun (Ruhetag: Montag). Die Küche ist bis 22.30 Uhr geöffnet. Reservierungen sind auch möglich, denn jetzt gibt es dafür wieder eine Telefonnummer. Augustin ist unter (05 21) 13 01 73 zu erreichen. Eine Homepage wird derzeit erstellt.

Übrigens: Die Kegelbahn (siehe hier) ist erneuert und kann wieder gebucht werden. Und sollte mal ein Fußballspiel im freien TV übertragen werden, kann das gerne auch weiterhin im hinteren, kleinen Saal betrachtet werden. Für diese Bereiche gibt es auch eine Extra-Karte mit kleinen Speisen.

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