"Vom Rädern und Raufen"

„Vom Rädern und Raufen“

Ein wenig Anspannung (oder einfach nur: Spannung) herrschte schon, vor Beginn des „Räderns und Raufens“ im Cutie. Freunde und Neugierige füllten die kleine Bar am OWD, fühlten sich nicht nur von dem Titel der Veranstaltung angezogen, sondern auch von der Ankündigung. Hier sollten alte, Bielefelder Kriminalfälle auf eine andere Art und Weise dargestellt werden. Literarisch aufbereitet und mit Musik.

Bei Musik auf Lesungen denken die meisten Menschen an eine klangvolle Rahmenbegleitung zu Beginn, am Ende und in den Pausen. Hier war das aber anders: Denn die kriminellen Geschehnisse wurden aus den Archiven hervorgeholt, die Autoren _MG_3207bliesen ihnen den Staub von den Seiten und Juri Beier (Schlagzeug) und Alexander Lipan (Gitarre) gehörten mit ihren Interpretationen mit zur Wiederbelebung der inhaltlich oftmals trüben Geschichten.

Atmosphärisch und leise, nicht aufdringlich stimmten Beier und Lipan Matthias Bronischs Erzählung über die älteren Brüder Rennebaum an. Yuri Birte Anderson und Alina Tinnefeld schilderten den Mord der Brüder an einem Gutsverwalter im Jahr 1726, weil der dritte – und jüngste – Bruder den Posten nicht bekommen hatte. Die Folge: Hinrichtung vor tausenden von Zuschauern auf der Schildescher Heide (mehr dazu hier).

Das, worauf sämtliche Agierenden des Abends aber abgezielt hatten und was ihnen bestens gelungen ist, war der Effekt der Beklemmung. Yuri und Alina erzählten von einem namenlosen (aber bestimmt belegten) Delinquienten, der auf der Sparrenburg eingekerkert seiner Hinrichtung harrt. Ein neuerer Fall aus der Weimarer Zeit wurde von Gerhard Renda, Leiter des Historischen Museums geliefert, und beeinhaltete einen Raubzug im Jahre 1932 quer durch Bielefelder Gaststätten. Und für die überlieferte Verfolgungsjagd war ein Country-Takt maßgeblich.

Anna-Bella Eschengerd hatte sich mit „Getrennt“ einen Fall herausgesucht, der in ihrer Bearbeitung ins Abstruse abdriftete: Ein Kind wurde in ihrem Vortrag wegen eines versehentlichen Totschlags des Spielkameraden der Stadtmauern verwiesen und bettelte nun um Wiederaufnahme. Andere Stimmen – wie die der Mutter oder des angesprochenen „hohen Herrn“ – ergänzten sich unterdessen bewusst mit den anderen Stimmen von Lipans Gitarre.

Eine weitere Aufführung gab es am Freitag, 1. August, ebenfalls ab 20 Uhr, im Cafe Milestones, August-Bebel-Straße 94.

Mit dabei waren: Yuri Birte Anderson, Alina Tinnefeld, Anna – Bella Eschengerd, Lukas Pergande, für die Musik sorgen Juri Beier und Alexander Lipan. Die Texte stammen von Anna – Bella Eschengerd, Sabine Lipan und Florian Wessels.

Eine Produktion des Theaterlabors Bielefeld, offizielles Jubiläumsprojekt zum 800jährigen Stadtjubiläum Bielefelds. Gefördert vom Ministerium für Familie, Kinder & Jugend, Kultur und Sport NRW.

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