Über Ernst und seinen Stuhl

Über Ernst und seinen Stuhl

„Humor – das hab ich nur mit in den Untertitel genommen, damit mehr Leute kommen“, meinte Andreas H. Abel zur Kollegin der Neuen Westfälischen. Und das war bereits sein erster Witz. Der Bielefelder Psychotherapeut hatte zum Thema „Der Ernst der Lage ist ernsthaft in Gefahr“ in die Bürgerwache eingeladen, im Rahmen der Vortragsreihe des app (Arbeitskreis niedergelassener Psychologischer Psychotherapeuten, Link). Und er stellte gleich klar: „Das ist kein Fachvortrag darüber, wann Humor in der Therapie angebracht ist“.

Denn Psychotherapie sei per se nicht lustig. Aber kann sie es sein? Es könne durchaus den ein oder anderen lustigen Moment geben. Das finge an bei Augenblicken, in denen Patienten dächten, sie hätten es bei einem Psychologen mit einem Arzt zu tun. Die Verwirrung, die die unterschiedlichen Qualifikationen bei neuen Klienten auslösen können, wusste Abel gut mit einem beispielhaften Dialog zu zeigen: „Guten Tag, Herr Doktor.“ – „Ich bin kein Doktor“ – „Was? Sie sind kein Arzt?“ – „Das auch nicht. Aber einen Doktortitel benötige ich nicht zum Therapieren,…“ usw. usf.

Es sei ein komischer Beruf, in dem man von den Problemen andere Menschen lebe. Und es sei auch schwierig in der Persönlichkeitsentwicklung, solch einen Beruf auszufüllen. Aus dem Nähkörbchen erzählte Abel eine Begebenheit aus seiner Studienzeit, während der er bei einer bierseligen Zusammenkunft mit seiner weitläufigen Verwandtschaft war. Wie man denn in seinem Beruf schwarz arbeiten könne, wurde er gefragt. Es wäre ja nicht so, mal eben privat vier Kanthölzer vorbei zu bringen. Ob er denn auch mal einem Freund „helfe“? Und der angehende Therapeut hätte es mit seinen Fragen vorgeführt: „Hast du Probleme mit deinen Gefühlen?“ Das ertappte Gegenüber wusste sofort, dass es sich bei Abel um jemanden handelte, der anderen „in den Kopp gucken“ könne.

Aus einem noch zu schreibenden Buch

Den Mangel an einem Doktortitel versuchte der Vortragende mit einem Buch zu kompensieren. Mit einem noch zu schreibenden Buch, das sich aus einer Loseblattsammlung über die Psychotherapie speisen sollte. Und die folgende Reise von Kapitel zu Kapitel führe „jetzt durch das Programm bis spät in die Nacht“.

Amüsant arbeitete Abel vor seinem Publikum die Themenkomplexe ab. Getreu dem Motto, der Therapeut dürfe auf keine Frage um eine schnelle Antwort verlegen sein, war für jedes Thema eine Phrase parat („Akzeptanz ist das Tor auf dem Weg zur Besserung“).

„Egal wohin. Ich werd‘ überall gebraucht“, antworte der Psychologe dem Taxifahrer auf die Frage, wohin es gehen soll. Und darum sei der Therapeut ein Multitasker, auch in Beziehungsdingen. „Die Eheschließung ist der Akt der Metamorphose von der eheähnlichen Lebensgemeinschaft zur lebensähnlichen Ehegemeinschaft“, wusste in augenzwinkernder Abel.

Doch es gebe Gesprächsituationen in der Therapie, an denen nichts Lustige sei. Er erinnerte sich an eine Patientin, der er eine Beobachtung mitteilen musste: „Bei ihnen sind die Sitzungen immer so ernst und schwer“. Schulterzucken und Weinen waren die Antwort. So stellte er für die nächste Sitzung einen dritten Stuhl hinzu. Auf die Frage, für wen der Platz sei, entgegnete er: „Für Ernst“. Ein Lachen war die Folge – die Therapie konnte beginnen.

Andreas H. Abel, Jahrgang 1955, ist seit 2000 niedergelassen als Psychologischer Psychotherapeut in der Gemeinschaftspraxis Neumann und Abel, Kiskerstr. 19, im Gesundheitszentrum am Klösterchen.

Siehe auch: Von der Schwierigkeit, sich zu verändern

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