Schlagfertig wie Sprühsahne

Schlagfertig wie Sprühsahne

Es ist mittlerweile einer der größten Poetry Slam-Veranstaltungen der Region – neben dem „Poetry All Stars“ im Cinemaxx womöglich sogar die größte. Und bei seiner achten Ausgabe am Freitag drängten wieder 1.200 Besucher ins Uni-Audimax, um acht der erfolgreichsten Slammer Deutschlands beim Wortwettbewerb zuzusehen und zu -hören.

Dabei ist das Moderatoren-Duo Sven Stickling und Nico Bein selbst schon ein Unterhaltungsgarant für den Abend. Die Weigerung Beins, dass ihm zugeteilte, zu enge T-Shirt zu tragen, entwickelte sich im Hinblick auf sein Jeanshemd zum Running Gag über die ganze Show. Doch man hatte – bevor es überhaupt in den Wettbewerb ging – einen grandiosen Griff bei der Wahl des Einstiegsacts bewiesen: Das „Lumpenpack“ sorgte musikalisch mit Musik, Tanz, Konfetti und Songs wie dem über Guacamole-Partys für erste Ausgelassenheit in den Rängen des Audimax.

panorama-lumpenpack

Der erste im Textwettbewerb hat es naturgemäß schwer, da die Jury ihre Bewertung als „Eichmaß“ für alles nimmt, was folgt. Der Regensburger Thomas Spitzer kam mit originellen Gedanken in seinem Vortrag „Wenn alles anders wäre“ daher. „Wenn alles anders wäre, würden die Leute keine Fotos von sich selbst machen. Statt Selfies wären Otheries der letzte Schrei. Also Fotos von allen anwesenden Menschen außer einem selbst. Also ganz normale Fotos.“  Doch er erlangte von den Entscheidern aus dem Publikum nur 39,6 Punkte in der Wertung. Sarah Lau aus Paderborn kam mit ihren Betrachtungen über Männliches und Weibliches nicht darüber hinaus. Irgendwie sei es ja süß, wenn er „Ich liebe dich“ rülpse. Oder: „Wenn Frauen an der Macht sind, dann gibt es keinen Krieg mehr. Nur ganz viele Länder, die nicht mehr miteinander reden“. Dafür bekam sie lediglich 37 Punkte zusammen.

Den tiefsinnigsten und elaboriertesten Text brachte Fatima Moumouni aus Zürich vor. In „Zauberland ist abgebrannt“ begab sie sich in das Land des kaum noch anzutreffenden Pathos. „Dort hängte er sich an mein Bein und bat: Fatima, hilf mir, ich will nicht sterben.“ Der Publikums-Jury war an diesem Abend aber anscheinend mehr nach Lachen zumute, und so gab es – auch wenn andere Teile aus dem Saal die Entscheidung nicht teilten und dies kundgaben – die niedrigste Wertung des Hörsaalslams: 36,3 Punkte.

Berlinern über Enzym-Witze

Ein Liebling der Bielefelder betrat mit Felix Lobrecht die Bühne. Der unverkennbare Berliner konnte schon im Cinemaxx punkten und erzählte nun im Audimax von der seltsamen Stimmung auf Studentenpartys. Die Witze (z.B. über Enzyme bei den Humanbiologen) verstünde er nicht oder der Notwendigkeit des Mitführens eines Kilos Notkorns (bei den Geologen) bzw. Nothacks (bei den Skandinavisten) brachte er den Saal zum Kochen und sich mit 42,6 Punkten in Führung.

Der Münsteraner Jens Kotalla plädierte für neuartige Zutatenkombinationen im Essen. Pommes mit Bolognese oder Pizza mit Mayo hätten auch ihre Daseinsberechtigung. Als Teil der Super Mayo Brothers mit dem höchsten Dienstgrad „Mayor“ verfechtete er besonders die Verwendung der Essig-Ei-Sauce. Mit 38,4 Punkten konnte er sich an der Stelle noch Hoffnungen für das Dreier-Finale machen.

seb23

Sebastian 23.

Wenn nicht die letzten drei Teilnehmer nach der Pause gewesen wären. Ein alter Bekannter, Sebastian 23 aus Bochum, regte sich laut und undifferenziert über … undifferenzierte Äußerungen zum Flüchtlingsthema. Über zwei Körperteile nannte sich sein Text, oder auch: Hals Maul. Die Beschimpfungen von Rassisten brachten ihm derart große Symphatie ein, dass er mit 46,8 Punkten am bisherigen Feld vorbei zog. Jan Philipp Zymny gab sich gewohnt unernst und übertrug erzieherisches Paradigma („Du kannst alles werden“) auf den des Kinderwunsches „Bagger“: „Du kannst Bagger werden, nein, du aber nicht. Wir können nicht alle Bagger werden. So viel gibt es nicht zu baggern.“  Der tobende Saal gab ihm dafür 46,7 Punkte.

Franziska Holzheimer war aus Hamburg zu Gast, machte in ihrem Vortrag „Erklär mir die Welt“ aber keinen Hehl aus ihrer eigentlichen Herkunft. Das Angraben der Frau seitens eines bayrischen „Batzis“ wurde von ihr authentisch in Szene gesetzt, brachte sie aber dennoch nicht ins Finale.

Dort maßen sich dann noch einmal Zymny, Sebastian 23 und Lobrecht. Letzterer konnte die Endrunde aber – „schlagfertig wie Sprühsahne“ (O-Ton) – mit der Widerlegung der Evolutionstheorie unter Zuhilfenahme der Frage „Wieso haben Hunde einen Rücken?“ („Die tragen doch keinen Rucksack“ für sich entscheiden.

 Fotos: Hörsaalslam Bielefeld

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