Rauschende Wellen im Heimat+Hafen

Rauschende Wellen im Heimat+Hafen

Frühschoppen? Ist das nicht so ein Ding für alte Männer, die nach der Kirche nicht nachhause wollen? Mag sein. Bis jetzt. Denn der Heimat+Hafen hatte sich zum Ziel gesetzt, diesen so spröde besetzten Begriff aus der Mottenkiste zu holen und zu entstauben. Am Pfingstsonntag vor der Übertragung des letzten Arminia-Spiels in dieser Saison sollten die Besucher des Hafens schon recht früh in die Hallen an der Stapenhorststr. 78 gelockt werden und ihr blaues-maritimes Wunder erleben.

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Loschi und Shantallica lagen vor Madagaskar. Bzw. standen vor dem Heimat+Hafen.

Um 11 Uhr hatte man – zu Fischbrötchen und Herrengedecken – Seemann Loschi mit seinem Schifferklavier und den Bielefelder Chor Shantallica eingeladen. Die Besucher dankten für das Programm und füllten das Lokal auf eine – für diese Uhrzeit – ganz erstaunliche Weise.  Sogar für den Gast Loschi war das frühe Erscheinen kein leichtes Unterfangen, sei er doch „extra mit seinem Boot, stundenlang nach Bielefeld gefahren“, um pünktlich da zu sein.

Auch mit schwerem Schifferklavier im Gepäck hatte Loschi Kraft gehabt, in den Hafen zu rudern und er konnte los schmettern, mit gesammeltem Liedgut von Bombay nach St. Pauli. Oder über „Aloha He“ bis hin zu „Ich kann nicht treu sein“- alte Shantys vom Seemann, den es offenbar nirgendwo lange hält und der – wie er sagte – als Leichtmatrose angefangen hatte, aber schon zum Vollmatrosen befördert wurde, kaum war er mit dem U-Boot ein paar Meilen gesegelt.

Reeperbahn an der Stapenhorststraße

In Bielefeld verwurzelter ist mit Sicherheit der Shantallica-Chor. Große Teile des Chores hatten es schon um 11 Uhr in den Hafen geschafft (andere Teile sollen dem Vernehmen nach Urlaub haben). Besonders ihre Shanty-Interpretationen, die seit 2009 in der Stadt die Runde machen, zogen Fan-Publikum an. Ostwestfälisch-eigenwillig gaben sie ihr „Wir lagen vor Madagaskar“ oder „Auf der Reeperbahn“ (dem hamburgischen Äquivalent zur Stapenhorststraße) zum Besten und manch einem der Sänger genügten die Klänge über dem Schnäpsken zum maritimen Gefühl.

„Ich höre schon die Wellen rauschen“, ging einem von ihnen wehmütig über die Lippen. Das wollte etwas heißen, liegt doch nebenan im Bürgerpark der Teich derzeit noch trocken. Nebenan liegt auch die Alm. Und da Shantallica sich glücklich schätzen dürfen, am 4. Juni im Line-Up des 111 Jahre Arminia-Open Airs auf der Bühne zu stehen, durfte natürlich einer ihrer Evergreens nicht fehlen: „Für uns gibt es nur einen Club“. Is‘ klar, welcher damit gemeint ist, nech?

Es war ein passender Einstieg für das anschließende, gemeinsame Rudelgucken des letzten DSC-Auswärtsspiels („Endlich mal wieder Unentschieden!“). Und wenn man Wirt Walent Cerkez Glauben schenken darf, dann wird ein solch origineller „Frühschoppen“ demnächst häufiger im Heimat+Hafen stattfinden.

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