Perspektivwechsel bei der Werkschau

Perspektivwechsel bei der Werkschau

An der Gestaltungs-FH gibt es ab Freitag, 8. Juli, wieder jede Menge zum Gucken und zum Bestaunen. 62 AbsolventInnen zeigen während der „Werkschau“ ihre Abschlussarbeiten aus den drei Fachrichtungen Mode, Grafik und Kommunikation sowie Fotografie und Medien.

Für die Weiterentwicklung einer Idee sind Perspektivwechsel ausschlaggebend. Das Thema „Perspektive“ empfängt den Besucher auch gleich am Eingang der FH an der Lampingstraße 3. Sükrü Kulaber und Peter Reimer, Mitorganisatoren der Ausstellung, haben dort den Werkschau-Schriftzug mit einer anamorphen Installation aufgebaut. Neue, alternative oder unkonventionelle Wege seien nicht nur in Kunst und Design häufig notwendig. „Oft auch dabei, wie es nach dem Abschluss weitergeht,“ sagt Kulaber.

Die Einnahme eines anderen Standpunkts schlägt sich ebenfalls in vielen der ausgestellten Arbeiten nieder. So wählte Edmund Lefler das im IMG_1139Kommunikationsdesign unübliche Mittel der Ironie, um sich mit seiner russischen Herkunft auseinander zu setzen. Auf seinen großflächigen Plakaten mit dem Titel „Russifikation – Mein russisches Herz in der westlichen Welt“ visualisierte er Klischees über sein Volk, um ihnen Fakten gegenüber zu stellen. „-70 Grad sind kein Thema“ ist eines von ihnen betitelt und beschreibt das Stereotyp vom ewigen, sibirischen Winter. Dass aber in Sotschi am schwarzen Meer einen Winter von Durchschnittlich +11 Grad hat, daran denke man bei Russland selten.

Deutsche im Iran

IMG_1152Die Fotografin Elham Rahmati reiste für einen Fotoband nach Teheran und dokumentierte dort deutsche – vornehmlich – Frauen, die auf unterschiedliche Weise im Iran gelandet sind und dort leben. Ob als KünstlerInnen, LehrerInnen oder Ehegatten – „Almani – Deutsche im Iran“ zeigt mit den Porträts im zugehörigen Buch, dass die abgebildeten Menschen  durchaus ein zufriedenes Leben führen können in einem Staat, über den im Westen oft nur von Repressalien zu hören ist.

Zuzanna Badziong ist in ihre Heimatstadt Wulfen bei Dorsten gereist und hat den aktuellen Charakter einer „Geisterstadt“ abgebildet. Wulfen war ein Stadtneubauprojekt, in den 1960er Jahren am Reißbrett für 50.000 Einwohner geplant. Nach der Schließung der dortigen Zeche leben dort  aber aktuell nur zirka 14.000 Menschen. Badziong zeigt auf ihren Fotos mit dem Titel „Abwesende Anwesenheit“ den bedrückenden Leerstand und porträtiert auch junge Erwachsene mit Migrationshintergrund, die in der Stadt aufwuchsen.

Leonhard Koczorowski hat für seine Arbeit eine ganz neue Form der Reise gewählt: Am Rechner, mithilfe von Google Street View. Auf seiner IMG_1143virtuellen Reise war Koczorowski auf der Suche nach ungewöhnlichen, seltenen oder sogar absurden Schriftzügen in den Straßenbildern der Welt und hat diese in einem „Logbuch“ mit dem Titel „Glyphogooglogie“ zusammen gestellt. Auf einer Weltkarte am Rechner hat er die Fundorte verlinkt, so dass neugierige Besucher die Reise nachvollziehen können.

Designte Historie

Der Sneaker hat sich inzwischen zum Sammelobjekt entwickelt. Patrick Witteck ist sich dessen bewusst. Was aber bisher fehlte, war eine gestaltete Historie einzelner Modelle wie zum Beispiel dem „Nike Air Jordan“, den es immerhin bereits seit 1984 in unterschiedlichen Ausführungen gibt. Für einige seiner Lieblingsmodelle hat Witteck nun diese Gestaltung in mehreren Heften übernommen.

Jonas Sackmann hingegen sah sich mit Werbestrategien konfrontiert, „die uns erzählen wollen, wer wir sind und was wir brauchen“. Demgegenüber stellte er seine digitale Plakatkampagne „#WHOAREYOU“ mit mehreren, unterschiedlich großen Bildschirmen, auf denen provokative Botschaften wie „Be social and share your privacy“ oder „Find hapinness by finding your individual product“ zu lesen sind. Ein bewussterer Umgang mit digitalen Medien, das ist Sackmanns Wunsch.

IMG_1142Düster, lebensfroh und tiefgründig – das soll die Gothic-Szene sein. Jeanette Chmiels „Memento Mori – Carpe Diem“ setzt sich mit der vielfältigen Subkultur der „schwarzen“ Szene auseinander, mit ihren mystischen Sagen, anspruchsvollen Garderoben und literarischen Bezügen. Mit ihren eigenen Skizzen hat sie eine kleine, schaurig-schöne Welt geschaffen.

Modenschau parallel – und erstmals wieder in der FH

Diese und viele weitere Arbeiten sind ab Freitag, 8. Juli, in der FH an der Lampingstraße zu sehen. Der Eintritt ist frei, die Eröffnung findet um 18 Uhr statt. Später gibt es die Party zur Eröffnung, das „Werkschau Tanzvergnügen“ im Cutie, Große Kurfürsten-Straße 81 (Parkhaus-Erdgeschoss). Am Samstag ist die Ausstellung von 11 bis 18 Uhr geöffnet, am Sonntag von 11 bis 17 Uhr.

Parallel zur Ausstellung findet seit vielen Jahren erstmals wieder die Schau des Fachbereichs Mode in den FH-Räumen statt. Insgesamt 19 Kollektionen werden dort gezeigt. Die Termine dafür sind am Freitag um jeweils 19 und 21 Uhr, am Samstag um 18 und 20.30 Uhr sowie am Sonntag um 11 und 13 Uhr. Am Samstag wird dabei der 8. Bielefelder Modepreis verliehen.

Der Eintritt für die Modenschau kostet 12 Euro, dafür sind allerdings alle Termine bereits ausverkauft. Gegebenenfalls können aber nicht abgeholte Karten kurz vor den Veranstaltungen an der Abendkasse erworben werden.

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