Motorpsycho: "Bielefeld exists, we have proof!"

Motorpsycho: „Bielefeld exists, we have proof!“

„Welcome to our little Hippie-Show“, verkündet Bassist Bent Sæther ganz zu Anfang des Konzerts im Forum und überrascht das Publikum damit, dass die Band „Motorpsycho“ ausschließlich mit einem Akustik-Set auf der Bühne steht. Überraschend auch, dass der angekündigte Support – die Berliner Band „Kadavar“ – abgesagt hat, verständlicherweise wegen einer kurzfristigen Einladung nach Mexico City. Motorpsycho ziehen ihren Beginn kurzerhand nach vorne – und halten die Bielefelder Fans bei bester Laune.

Motorpsycho und das Forum, das hat Tradition. Nicht nur die Gäste des Forums sind bei jedem Gig der Norweger seit über 2 Dekaden dabei, auch Sæther und sein Kompagnon Hans Magnus Ryan (Gitarre, Gesang) lassen es sich seit den Tagen des Forums in Enger nicht nehmen, so oft es geht herzukommen.

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Bent Sæther

Im leicht beschwingten Akustikteil lassen sie dann auch vorwiegend Nummern erklingen, die mindestens 15 Jahre auf dem Buckel haben, aber in ganz neuem Gewand erscheinen. „Coventry Boy“, „Stay Young“ (Coverversion von Gallagher & Lyle), „Sideway Spiral 1“, der Timothy’s Monster-Klassiker „Kill Some Day“ und – zur Freude des Forum-Publikums – „Waiting for the one“. Mindestens den Refrain kann die halbe Halle mitsingen.

Danach wird nicht lange gefackelt, Kenneth Kapstad setzt sich hinter das opulente Drumset und die elektrischen Saiteninstrumente werden hervorgeholt. Ergänzt durch Reine Fiske an der zweiten E-Gitarre geht es dann gleich um’s Ganze und mit dem „Cloudwalker“ einen Einblick in das aktuelle, 16. Studioalbum „Behind the Sun“. Was folgt, ist ein Wahnsinnsritt durch die die schnelleren, härteren Stücke der jüngeren Motorpsycho-Historie. Sofort geht es über in die Rockröhre „Sail On“. Wenn auf den Alben mitunter Streicher, Keyboards und andere instrumentalische Unterstützungen verwendet wurden, wird live bei Motorpsycho darauf komplett verzichtet. Pur, dafür aber Bents Bass bis zum Anschlag. Nach Ausflügen zu neueren Stücken der schnellen Variante (aber auch „Starmelt/Lovelight“ von der 1997er „Angels and Daemons at Play“) kündigt Bent an, dass jetzt etwas längeres kommt.

Episch-ausufernde Songs, mit Soundwällen so hoch wie Fjordklippen, dann aber kleinen Improvisationen mit Mellotron oder Keyboard – das sind Motorpsycho-Fans gewohnt. Mit „Hell, Pt. 1-7“ übertreffen sich die Trondheimer aber selbst: Das virtuose Glanzstück, das sich aus Stücken, die über zwei Studioalben verteilt sind, speist, dauert live eine gute halbe Stunde. Am Ende sind auf der Bühne zu Recht alle erschöpft, die Luft steht im ausverkauften Forum. Das liegt daran, dass die Band darum gebeten hatte, die (für ihr Empfinden) sehr starke Klimaanlage auszuschalten („it’s so strong that it literally freezes your brain 4 secs after having been switched on“).

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Hans Magnus Ryan

Woher wir das wissen? Weil Bent das im Anschluss noch einmal in seinem Blog beschrieben hatte. Und dort ist auch zu lesen, weshalb der Abend derart rocklastig verlief: „I dunno why, but the set was more rocky than ever tonite. The Bielefelder(?) seemed to dig it though, and it felt right for the occasion, so what do I know?“. You’re right with it, Bent.

Und übrigens, sie wissen auch: „Bielefeld exists, we have proof!“

Es war bereits 23 Uhr, da entschlossen sich die freundlichen Norweger noch einmal zu zwei(!) Zugaben mit größtenteils guten, alten Hit-Freunden. So war ein Live-Wiedersehen/-hören mit „Hey, Jane“ oder „No Evil“ möglich. Und zur großen Freude nicht weniger gab es am Ende sogar den Demon Box-Klassiker „Plan#1“. Und wenn wir das richtig gesehen haben, floß dabei sogar die ein oder andere Träne.

Kommt wieder, Motorpsycho.

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