Kommentar: Politisch korrekt ist korrekt

Kommentar: Politisch korrekt ist korrekt

In einem Kommentar in der NW vertritt der Autor Mönter die Überzeugung, zahlreiche Menschen müssten nach den Silvester-Vorkommnissen in Köln und auch in Bielefeld nun ihren „sozialromantischen Blick auf Zuwanderung und Flucht einem Realtitätscheck“ unterziehen.

Seine Kritik ging insbesondere in die Richtung der Bielefelder Grünen, die in einer ihrer jüngsten Mitteilungen die sexuellen Übergriffe „auch als Auswüchse des gesellschaftlichen, alltäglichen Sexismus […] werten“. Damit würden sie – so Mönter – „abwiegeln, ja leugnen […], dass die Täter wohl ausnahmslos arabischer Herkunft waren und dass das kein Zufall war.“

Politisch korrektes Verdunkeln nennt Mönter es, wenn der Zusammenhang zwischen Religion oder Herkunft und den Taten unerwähnt bliebe. Und politische Korrektheit sei gefährlich.

„Gewalt gegen Frauen findet in allen sozialen Schichten statt,“ schreiben die Grünen in ihrer Mitteilung. Und weiter: „Sie resultiert nicht aus der nationalen Identität eines Mannes, sondern ist Ausdruck der ungleichen Machtverhältnisse zwischen Männern und Frauen, die in allen Gesellschaften bestehen.“ Alle Gesellschaften schließt also die arabischen Kulturen mit ein, ebenso die so genannten abendländischen.

Unterdrückung der Frauen wird vorgelebt

So könnte man(n) auch auf die Idee kommen, dass man(n) in Deutschland sehr leicht und besonders günstig an Sex mit Prostituierten gelangen kann. Ein Bericht der ARD zeigte dies kürzlich wieder (siehe Video „Das Geschäft mit dem Sex“). Dies oder Zahlen über die häusliche Gewalt gegen Frauen sind ebenso ein Ausdruck ungleicher Geschlechter-Machtverhältnisse, der im Ausland eine Signalwirkung haben könnte. Und der nun wirklich gar nichts mit Religion zu tun hat. Man könnte sich nun versteigen und sogar behaupten, das ist eben typisch deutsch: Hier kann man(n) es ja mit den Frauen machen.

Aber: Flüchtlinge waren kaum beteiligt

Schlechterweise werden nach den Silvester-Vorfällen viele ‚Fässer‘ aufgemacht und gerade die rechte Szene nutzt sie gegen die Flüchtlingspolitik aus, für den Symphatiefang bei den Meinungsbequemen. Dabei stellte die Polizei laut ARD-Magazin Monitor klar, Flüchtlinge stellten „aus kriminalpolizeilicher Sicht bislang kein Problem dar“ (Link). Bisherige Befürworter der Willkommenskultur räumten danach sogar ein, dass ihre bisherige Sichtweise naiv gewesen sei, obwohl dazu gar kein Anlass bestand. Schließlich war so gut wie kein Flüchtling beteiligt, sondern Täter aus den Maghreb-Staaten.

Politische Korrektheit verdunkelt nicht, sondern hat Aufklärung und Differenzierung zum Ziel. Der Mönter-Kommentar lässt aber vermuten, die politische Korrektheit („…ist gefährlich“) solle auf eine Stufe mit dem neuen Un- und Mundtotmacherwort Gutmensch gestellt werden. Aber genau das könnte zum Stillschweigen führen oder zu jenem Generalverdacht, den die NW-Lokalchefin Andrea Rolfes (Mönters Vorgesetzte), am 8. Januar in einem eigenen Kommentar verurteilte:

„Noch schlimmer ist allerdings die sich wie eine Walze ausbreitende Debatte, in der alles in ein Topf geworfen wird: die Diskussion über muslimische Migranten, sexualisierte Gewalt gegen Frauen und eine offensichtlich von vielen vertretene, aber falsche Überzeugung, dass diese erst mit den Flüchtlingen nach Deutschland geschwappt ist. Das ist Quatsch und vernebelt die Suche nach den wirklichen Tätern.“

Was wirklich zu tun ist: Bessere Vorbeugung, bessere Integration, bessere Polizeiarbeit – darin sind sich mittlerweile alle einig (ob Videoüberwachung ihren Teil dazu beitragen kann, kann angezweifelt werden). Aber auch Vorbeugung und Verurteilung bei Gewalthandlungen an Frauen.

Dass „Linksstehende“ paradox handeln*, kann ihnen nun wirklich nicht nachgesagt werden. Sie – und auch Vertreter anderer politischer Richtungen – zeigen stattdessen Misstände auf allen Ebenen auf und korrigieren sich auch mal. Mit „Sozialromantik“ hat das nichts zu tun.

Der größte Fehler wäre es jetzt, wegen ein paar kriminellen Volldeppen an den Bahnhöfen nun die humanitäre Hilfe für bedürftige Kriegsflüchtlinge in Frage zu stellen.

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* Mönters Kommentar war mit „Verstörend paradox“ betitelt. Doppelt paradox wirken aber sogar die beiden oben genannten NW-Kommentare aufeinander. Da fragen sich doch manche Leser: Was ist da los in der Redaktion?

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