Florian Wintels gewinnt den Hörsaal-Slam

Florian Wintels gewinnt den Hörsaal-Slam

„Willkommen nach dem Slam Nr. 1 nach dem Videohype“, sprach Moderator Nico Bein vor zirka 1.300 Besuchern im Audimax. Gemeint war der Youtube-Knüller um Julia Engelmann und ihren Beitrag vom letzten Hörsaal-Slam, der inzwischen über sechs Millionen Zuschauer hatte. Und die Neuauflage wurde noch einmal größer. Beide Ränge des Hörsaals wurden frei gemacht, das Parkett ebenfalls und eine Bühne davor ausgerichtet. Mehr geht in Bielefeld für den Poetry Slam wirklich nicht mehr.

Mitmoderator Sven Stickling brachte als „Opferlamm“ einen Text über seinen Neffen. Der wünscht sich wohl gerne andere Dinge als die, die man ihm zum Geburtstag schenken will. „Statt zu kuscheln, führen sie Kriege“. Kriegspielzeug anstelle von Teddybären – ein Manko, das behoben werden will. Aber nicht eingehalten wird. Am Ende klärt der Neffe auf: Auch Putin soll mithilfe des gewünschten Bombers mit Bären beworfen werden.

Im Wettbewerb stellte sich als erstes Johannes Flöhr aus Paderborn. Die bedrückende Frage, dass es im Prinzip für alles jemanden gibt, der oder die es besser erledigen kann, darüber wird gekonnt mit der Freundin im Arm und dem bewegungseinschränkenden Aschenbecher auf dem Bauch vor dem Fernseher resigniert. Schlechte Ostfriesen-Witze laufen auf „Verstehen Sie Spaß?“ besser als im realen Leben. Doch dann stellte sich – wieder allein – in der Bahn die Situation, in der er es gegenüber einem Unbekannten versuchte: Warum können Ostfriesen keine Eiswürfel machen? Weil die Frau, die das Rezept dazu hatte, letztes Jahr gestorben ist. „Wir lachten, obwohl der Witz so schlecht ist. Und dass wir das taten, ist das ganze Geheimnis daran“.

Ninia La Grande aus Hannover berichtete von ihren Erfahrungen beim Gynäkologen. Dort erwischte sie innerhalb ihres Textes eine Vertretungsärztin. Mit dem Ziel, nur ein Rezept für die Anti-Baby-Pille zu erlangen, musste sie eine Rundum-Untersuchung über sich ergehen lassen. „Wollen Sie Kinder?“ – „Ja!“ – „Warten Sie damit nicht mehr so lang“. Frau La Grande ist außerdem sichtlich etwas kleiner als der durchschnittliche Mensch. Demzufolge hat die Feststellung der Frauenärztin: „Sie haben ja eine kleine Gebärmutter!“ besondere Brisanz und die Antwort: „Ich bin insgesamt
recht klein!“ zur Folge.

„Jeder Aufbruch ist immer auch ein Abbruch auf Zeit, ist immer auch ein Neubeginn wie ein Dinner zu Zweit“, bekannte der Marburger Stefan Dörsing. Und Slam, das ist immer auch Leben. Das ist immer auch Rap, das ist immer auch Lied *schnipp-schnipp-schnipp*. 1.300 Leute waren im Audimax schnippend dabei.

Niko Sioulis präsentierte eine neue Version des alten Märchens „Sieben auf einen Streich“ und ging lyrisch schrittweise in Richtung Amoklauf empor. „Du guckst auf dein Smartphone und denkst dir: Los, ladt schon!“ Nachdem der Autor bemerkt hatte, dass um ihn herum geschossen wurde, wird erst im siebten Schritt klar: Du musst bloß abdrücken, es war so leicht“. Er selbst war der Schütze.

„Ein dummer Mensch hat mal gesagt – ich weiß nicht, ob ihr’s wisst – , dass die Welt doch einfach nur ein Haufen Scheiße ist“, wusste Florian Wintels aus Paderborn. Energisch-hektisch bewegte er die zuhörende Masse, um nach jedem Reim mit einem „Scheiß drauf“ zu schließen.

Micha Ebeling aus Berlin regte sich sehr laut auf. Über die Aktion „Fuck for Forrest“ oder einfach darüber, dass es in seinem Viertel überall 50% Rabatt auf Sushi gebe.“ Da können sie doch gleich den halben Preis nehmen“, verkündete Ebeling lautstark.

Ein kleiner lippischer Ort kam in Folge nicht gut weg: Horn. Sira Busch ließ kein gutes Blatt an ihm. „Wäre die Musik dort erfunden worden, würden alle Metal hören“. Der Wald, der nicht mehr so oft besucht werden konnte, die Wiese, die fernab des aktuellen Wohnortes von Sira liegt – ein bisschen Sehnsucht konnten wir alle dann doch wieder reinhören.

Das größte, was es gibt, ist das Leben.

Den mächtigsten und auch erschütterndsten Satz innerhalb der vielfältigen Themen-Zusammenstellung brachte Quichotte aus Köln: „Das größte, was es gibt, ist das Leben.“ Den Soldaten könne man töten, die Idee erschieße man nicht.

Im Finale zwichen Ninia La Grande, Quichotte und Florian Wintels setzte sich der Paderborner Wintels am Ende mit immensem Publikumsapplaus durch. Seine zehn Ideen, wie man sich am Besten umbringt – inklusive so abwegiger Geschichten wie „Ich reib mich mit Katzenfutter ein und sperr mich in den Puma-Käfig des Zoos“ – sorgten für den Durchbruch des 6. Bielefelder Hörsaal-Slams.

Herzlichen Glückwunsch auch von dieser Seite.

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