"Gleichstellung jetzt": Beim CSD auf dem Siggi

„Gleichstellung jetzt“: Beim CSD auf dem Siggi

„Haltung zeigen – Gleichstellung jetzt“ – das proklamierte und forderte das Netzwerk lesbischer und schwuler

Oberbürgermeister Pit Clausen mit Lebenspartner Thomas Sopp.

Oberbürgermeister Pit Clausen mit Lebenspartner Thomas Sopp.

Gruppen in Bielefeld e.V. beim Christopher Street Pride Day am Samstag. Nachdem die Sparrenburg bereits mit der Regenbogen-Flagge ausgestattet war und Oberbürgermeister (OB) Pit Clausen am Rathaus die Flagge hisste, ging es dieses Mal – baustellenbedingt – auf einem anderen Weg als in den Vorjahren zum Siggi: Über die Stapenhorststraße kam die Parade lautstark auf den Platz zum Feiern.

Ein besonderes Anliegen war den Veranstaltern und allen Beteiligten, dass die Bundesregierung endlich die Ehe für Lesben und Schwule öffnen und die Adoption von Kindern für lesbische und schwule Paare ermöglichen müsse. Auf Bundesebene täte sich jedoch nichts, obwohl mittlerweile eine neue Studie zu Einstellungen gegenüber Lesben, Schwulen und Bisexuellen zeige, dass mehr als 80 Prozent der Menschen in Deutschland die „Ehe für alle“ befürworten würden. Der OB wies auf der Siggi-Bühne noch einmal deutlich darauf hin, das „Projekt 100 % Mensch“ machte auch darauf aufmerksam, dass international die „eheähnliche Gemeinschaft“ nicht anerkannt und im Ausland zu Nachteilen führen würde. Das städtische Bündnis von SPD, Grünen, Bürgernähe und Piraten hat dazu jetzt einen Aktionsplan vorgelegt (siehe unten).

Für gute Laune sorgte am Abend die Band „Part of the Art“, die hauptsächlich Songs der 80er Jahre coverte und mit tanzbaren Rhythmen unterlegte. Zu alten Klassikern von Soft Cell bis Depeche Mode flogen die Einhörner und Seifenblasen über die tanzende Menge. „Voice of Germany“-Teilnehmer Daniel Johnson rundete am Abend das Programm musikalisch ab.

Nächster Termin: Am Samstag, 17. Juni, geht ab 23 Uhr die CSD-Party im Forum mit DJ Mystery und Herzenslust-Performance los.

Bildeindrücke:

Aktionsplan „Gleichstellung von LSBTI* in Bielefeld“

29 Seiten, 9 Handlungsfelder, 75 Maßnahmen – dies sind die Kennzahlen des neuen Aktionsplanes „Gleichstellung von LSBTI* in Bielefeld“. Er hat das Ziel, ganz konkret die Gleichstellung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und Intersexuellen (LSBTI*) in Bielefeld voranzubringen. „Damit legen wir jetzt den umfassenden Aktionsplan vor, den wir vor einem Jahr im Rat beschlossen haben. Das wir so einen umfangreichen Maßnahmenkatalog innerhalb nur eines Jahres vorlegen können, das ist schon eine große Leistung“, so Klaus Rees von den Grünen.

Der Aktionsplan gliedert sich in die neun Handlungsfelder Kinder, Jugend und Familien, Alter und Pflege, Menschen mit Behinderungen, Psychosoziale Beratung, Gesundheit, Geflüchtete, Migration, Kultur und Geschichte, Stadtverwaltung/Arbeitgeberin Stadt Bielefeld. Vorgeschlagen werden zum Beispiel, dass die Stadt für eine Sensibilisierung der Träger der Altenhilfe und –pflege für die spezifischen Belange von Lesben, Schwulen und Trans* sorgt, dass die Volkshochschule queere Themen in das Programm für Kurse und Diskussionsveranstaltungen aufnimmt oder dass die Stadt Bielefeld sich im nächsten Jahr mit einem eigenen Wagen beim Christopher-Street-Day beteiligt.

Zudem soll es eine Koordinierungsstelle geben, die sowohl die Umsetzung der Maßnahmen begleitet und unterstützt als auch als Anlaufstelle für Beschwerden, beispielsweise im Fall von Diskriminierungserfahrungen, dient. „Außerdem werden die bereits bestehenden Angebote auf neue Anforderungen angepasst. Das Ganze wird damit verstetigt, professionalisiert und ausgebaut“, sagt Michael Gugat (Bürgernähe/PIRATEN).

„Für uns sind Demokratie und Vielfalt gekoppelt – wir sehen den Aktionsplan als wichtigen Beitrag dafür, dass Bielefeld eine weltoffene, bunte Stadt bleibt. Mich freut besonders, dass wir das ehrenamtliche Engagement von SchLAu jetzt auch professionell unterstützen können“, so Wiebke Esdar (SPD). SchLAu steht für schwul-lesbische Aufklärung. Dahinter steht ein Projekt, in dem junge schwule und lesbische Jugendliche in Schulen gehen, um dort über ihre Erfahrungen mit dem Coming-Out und ihrer sexuellen Orientierung zu sprechen. In Zeiten, in denen ‚schwul’ auf vielen Schulhöfen immer noch als Schimpfwort gilt, eine wichtige Initiative.

Großen Dank sprechen die Koalitionäre der Stadtverwaltung aus – insbesondere der Gleichstellungsbeauftragten Ilse Buddemeier sowie Friederike Vogt und Peter Struck vom Verein Netzwerk lesbischer und schwuler Gruppen in Bielefeld e.V., die den Aktionsplan erstellt haben. Das Netzwerk sieht den Aktionsplan als wichtiges Zeichen für Gleichstellung und Akzeptanz von LSBTI* in Bielefeld.

WooomStuckmannWolkenschiebar

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