Gegen Rechtsextremismus in den sozialen Netzwerken

Gegen Rechtsextremismus in den sozialen Netzwerken

Dass Nazis scheiße sind, wissen zum Glück die meisten vernunftbegabten Menschen. Nur wenige würden das nicht so sehen. Und die sind oftmals selbst… nun ja. Im Internet erhalten aufmerksame Kommentarleser aber gelegentlich den Eindruck, dass von diesen ungemütlichen Gestalten gar nicht mal so wenig unterwegs sind. Zum Thema Rechtsextremismus wird dann nicht selten in den Kommentaren getrollt, was das Zeugs hält. Das durfte auch die Uni Bielefeld auf ihrer Facebook-Seite feststellen, als sie zum Wintersemester die Kampagne „Uni ohne Menschenfeindlichkeit“ bzw. „Uni ohne Vorurteile“ startete. Dort erntete man sogar den Vorwurf, die Uni wolle Rechtsextreme diskriminieren.

Im Rahmen der Kampagnen-Ringvorlesung hatte die Uni passenderweise Alice Lanzke und Johannes Baldauf, Mitarbeiter des Projekts no-nazi.net, für einen Vortrag zum Thema „Im Netz verstrickt – Nazis in sozialen Netzwerken“ eingeladen. „Es gibt etwa 7.000 rechtsextreme Websites, und rund 5.500 davon in sozialen Netzwerken“, begründete Baldauf den Schwerpunkt. Und selten seien diese so eindeutig zuzuordnen wie zum Beispiel das Facebook-Profil „Wehrmacht Unterfranken“, das mit Profilen ähnlich eindeutigen Namens verbunden ist und Berufe angibt wie „Gasmechaniker bei der KZ GmbH“.

Oft würde aber bei der Verbreitung des radikalen Gedankenguts viel subtiler vorgegangen. Beispiel: Die Facebook-Seite der NPD habe mittlerweile über 56.000 Fans und damit mehr als die Grünen, die FDP oder die Linken. Dieses Ergebnis käme aber deshalb zustande, weil die NPD emotional besetzte Themen ausnutze und Unterseiten starte wie „Deutschland gegen Kindesmissbrauch“.

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Perfide: Die NPD-Facebook-Seite „Deutschland gegen Kindesmissbrauch“.

Darüber wurde dann die (virtuelle) Veranstaltung „1.000.000 Stimmen gegen Kinderschänder“ ins Leben und dazu auf gerufen, sämtliche Freunde dazu einzuladen (z. Zt. fast 750.000 Zusagen). Dort hin und wieder ein Link zu Inhalten der
NPD geteilt, dann kommt eines zum anderen.

Emotional besetzte Themen werden ausgenutzt

Das Perfide daran: Habe ein Nutzer einmal bei so etwas auf „Gefällt mir“ geklickt, würde sich psychologisch ein Bekenntnis einstellen, so eine Meinung aus dem Plenum. Es sei dann schwieriger, sich davon zu lösen und das Gedankengut könnte in die Realität getragen werden.

no-nazi.net richtet sich an Jugendliche, die in Sozialen Netzwerken wie Facebook, StudiVZ, Google+ usw. aktiv sind und hilft bei der Argumentation, wenn jemand im Netz einmal derart konfrontiert wird. Einmal dort mit no-nazi.net „befreundet“, weisen die Administratoren die User auch – so gut es personell geht – per Direktnachricht darauf hin, wenn sich jemand mit einer Nazi-Seite verbindet. Ebenfalls hilfreich: Die Macher können Seiten-Meldungen schneller durchführen, da sich in Kontakt mit den Admins der großen Netzwerke stehen.

Gegen rechtsextreme Postings raten Lanzke und Baldauf dazu, sie nicht zu ignorieren, sondern sich gegen die Hetze zu positionieren. Zivilcourage zeigen, die Opfer schützen und Verbündete suchen. Zu guter Letzt: Melden! Denn auch die Netzwerkbetreiber müssen in die Pflicht genommen werden.

Und sollten Diskussionsstränge einmal völlig aus dem Ruder laufen, vernünftige Argumente nicht mehr möglich oder verdreht werden, dann hilft nur: Aussteigen mit dem Hinweis, dass die Debatte nicht mehr möglich ist.

Links:
no-nazi.net
Uni ohne Vorurteile

 

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