Drachen im Westen

Drachen im Westen

„Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr“, so lautet eine Zeile aus Rilkes Gedicht „Herbsttag“. Doch der Wetterumschwung der Jahreszeit lässt nicht nur das Chlorophyll aus den Baumblättern weichen und schenkt uns dadurch bunte Eindrücke an den Bäumen, auf dem Siggi und anderswo werden dank der aufkommenden Winde auch wieder die Drachen steigen gelassen.

Also die Dinger, die man früher noch als Kind mit Papier, Balsaholz und Leim selbst gebastelt und in den Himmel geschickt hatte und nichts mit „Game of Thrones“, den Puhdys oder irgendwelcher Ritter zum Mannsein zu tun haben.

Einer von diesen – inzwischen eher vorgefertigten und gekauften – Flugspäßen hatte in den letzten Tagen zerstörerische Wirkung, brach sogar eine Dachschindel aus einem West-Haus und blieb an der Hauswand hängen.

Bezeichnend daran: Der Drachen ist offensichtlich ein Werbegeschenk einer großen Rechts- und Haftplichtversicherung (siehe Bild). Die oder der VerursacherIn entzog sich dann allerdings lieber der Identifizierung, obwohl mit dem Objekt wohl die Absicherung anzunehmen ist.

So müsste Rilkes Gedicht wohl um eine Zeile realistisch ergänzt werden: „Wer jetzt ein Haus hat, dem kann es auch genau so gut ramponiert werden“.

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