Die weibliche Seite Bielefelds

Die weibliche Seite Bielefelds

Seit drei Jahren trifft sich die Gruppe „Künstlerische Damenwahl“ bereits in der Bürgerwache. Und besonders nach den letzten Ausstellungen im Rahmen des Stadtjubiläums habe die Gruppe „einen kometenhaften Aufstieg erfahren“, sagte der Bürgerwachen-Vorsitzende Ulrich Zucht bei der Vernissage am Freitag.

Die „Collage à femme“ – die Ausstellung zur weiblichen Seite Bielefelds – hat nach der VHS und dem Brackweder Bezirksamt nun an mehreren Orten des Westens Station. Und zwar nicht nur direkt am Siggi, sondern parallel auch in den Räumen der Guttempler an der Große Kurfürsten-Straße 51 und ab dem 1. Oktober im Künstlerinenforum-OWL an der Stapenhorststraße 73.

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Spricht das Grußwort: Bürgermeisterin Karin Schrader.

Bekannte und weniger bekannte Frauen aus der Stadtgeschichte von 1826 bis 2006 werden in den Collagen gewürdigt. Die Dichterin Josefa Metz (1871-1943) ist darunter zu finden, ebenso die Mäzenin Emilie von Laer (1830-1921). Die Sopranistin Sophie Crüwell (1826-1907) oder die Schriftstellerin und Bildhauerin Helene Homilius (1910-2006). Aber auch stille Leidensgeschichten wie die von Olga Laubheim (1876-1940), Bethelbewohnerin und Opfer der NS-Behinderten- und Krankenmorde sind erhalten eine Stimme.

Gerade, weil die „Künstlerische Damenwahl“ Frauen aus dem Verborgenen geholt habe, dankte ihr die Bürgermeisterin Karin Schrader. Geschichte und Stadtgeschichte würde eben nicht nur von Männern gemacht. Die Ausstellung verschaffe den Besuchern einen leichteren Zugang dazu, „weil die Künstlerinnen so große Vorarbeit geleistet haben“, so Schrader. Deshalb seien diese Werke auch einmalig im Rahmen der Jubiläumsprojekte.

Insbesondere für die weniger bekannten Persönlichkeiten hat man in der Wahl der Collage-Mittel eine interessanten Weg gefunden: Buchrücken über Frauen, über die nie ein literarisches Werk geschaffen wurde. Oder ihr Konterfei auf Briefmarken, die es so in Serie wohl nie geben würde. Stellvertretend für viele ungenannte Frauen wurde die Zeit in Einweckgläser eingemacht: So steckt ein Stück Stacheldraht in einem Glas mit der Aufschrift „Zwangsarbeiterinnen, Deportierte“ oder ein Gesteinsbrocken in einem weiteren mit dem Schild „Trümmerfrauen“ darauf.

„Wir erobern den künstlerischen Raum. Aber ohne große, dicke Revolte“, sagte Gruppenleiterin Lydia Averdieck mit einem stattdessen um so größeren Lächeln auf dem Gesicht. Für das Viertel stimmt das in den nächsten Wochen tatsächlich. Einen Überblick über die Ausstellungen und das Rahmenprogramm mit Vorträgen und Filmen gibt es hier:

www.collageafemme.de/index.php/ausstellungen.html




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