Der Herbst hat ein neues Album draußen

Der Herbst hat ein neues Album draußen

November ist der Monat, in dem vieler Toter gedacht wird, weiß Hellmuth Opitz und liest in seinem Gedicht „Grasbeißen“ auch schon einmal von rechts nach links: „Sarg – Gras, sag’s rückwärts“. Ein Blick durch die Fensterscheiben nach draußen verrät, dass er prophetisch schließen kann. „Du sagst Leben – sag’s rückwärts, und schon hast du den November“.

Wer Opitz und seine Lyrik kennt, weiß, dass das melancholischer klingt als sein Gesamtwerk ist. Bei ihm werden die Songs und Geräusche im titelgebenden „Der Herbst hat ein neues Album draußen“ auch schon einmal zu „Evergreens, every-yellows, everfalls“, die sich der Herbstfan jedes Jahr von neuem gerne anhört.

Apropos Musik: Für den Abend im Saal der Bürgerwache hatte er sich Verstärkung geholt. Der gerade einmal 21-jährige „Bad Temper Joe“sorgte mit seiner Slideguitar und der Harmonika für einen richtigen Herbstblues. Als stünde er wahrhaftig auf den Schultern seiner Idole John Lee Hooker oder Robert Johnson, waren seine Eigenkompositionen wie „Sleeping Giant“ gleich zu Beginn in der Lage, die Aufmerksamkeit der Zuhörerschaft wach zu rütteln.

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Die Stille um den Finger wickeln

Mit Caroline Hummel hatte sich Opitz eine von ihm geschätzte Lyrikerin als Verstärkung eingeladen. Und obwohl es ihre erste Lesung war, brauchte sie sich vor dem erfahreneren Dichter nicht zu verstecken. Herbstgedichte sparte sie aus und begann thematisch mit dem Sommer, in dem sie eine entrissene, tanzende Feder um einen Vogel, den sie verloren hatte, werben ließ. Ihre bald folgende Wintermetaphorik wirkte versöhnlich mit der noch zu erwartenden Jahreszeit: „Wir singen, um dem Ofen eine Melodie zu geben“. Und gleich dazu: „Mit deinen Locken wickelst du die Stille um den Finger“.

Hellmuth Opitz selbst beschäftigt sich lieber mit den kleinen Dingen. Gegenstandsgedichte nehmen einen Teil seines Vortrags ein. Da wird den Kaffeekörnern in „Maxwell“ damit gedroht, auch bald dran zu sein oder dem Toaster musikalische Qualitäten zu gesprochen, der auch ein paar Scheiben auflegen kann: „[…] die Marmelade ist gut drauf, gleich hallt es wieder durch die Küche, MC Toaster legt wieder auf“. Über Katastrophen in der Mikrowelle und die kleine Physik des Alltags bzw. der Schwerkraft in einer Tüte Studentenfutter geht es zu Einsichten über das Herunterkommen: „Mein Körper ist immer noch ein Tempel. Nur dass mehr Gläubige darin Platz finden“.

Zu guter letzt möchte Opitz den Schwaben am Liebsten das korrekte Aussprache von Konsonanten beibringen: „Einmal die Gaumensegel knattern lassen“. Jedoch: „Am Neckar, da stehen die Schwaben und lutschen die Konsonanten weich“.

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