"Billiger kriegen Sie keine Albträume"

„Billiger kriegen Sie keine Albträume“

„Graue Regenpfütze unterm Ostwestfalendamm, kleine Puddinggroßstadt mit dem Touch von Größenwahn,“ so bluesten die Se Bethels am Samstagmittag in der Kurz Um-Halle das Publikum in die kommenden drei amüsanten Stunden ein. Ungeliebte Weihnachtsgeschenke sollten wieder per Auktion verwichtelt werden, und die „Bethels“ zeigten einen kurzen Einblick in ihr Oeuvre, um sich später selbst für ein Konzert versteigern zu lassen.

Christian Presch erteilt den Zuschlag.

Christian Presch erteilt den Zuschlag.

„Billiger kriegen Sie keine Albträume“, wusste Auktionator Christian Presch zu urteilen über die ungewollten Geschenke, die unter den letzten Weihnachtsbäumen gefunden und in der Kurz Um-Geschäftstelle gesammelt wurden – damit sie gegen Höchstgebot neue Besitzer finden sollten. Der Spaß der letzten Jahre hatte sich offenbar herumgesprochen, platzte die Halle vor Besuchern doch aus allen Nähten.

„Hier gibt es Dinge, die die Welt nicht braucht“, sagte Presch und brachte gleich zu Beginn einige der kuriosesten Gegenstände unter den Hammer: Einen kleinen, runden Tischstaubsauger zum Beispiel. Oder ein Modell des „Dortmunder U“. In Ein-Euro-Schritten „zum Ersten, zum Zeiten, zum Dritten“. War es etwa ein Versehen, als eine Dame im Publikum den elektrischen Dosenöffner für fünf Euro ersteigerte? „Jetzt brauchen sie sich aber nicht wegducken“, sagte der Auktionator unter lautem Gelächter.

Wortgewandtheit beim Anpreisen

Dreistündige Wortgewandheit, jedes Produkt wurde angepriesen. So ein Set mit Biergläsern: „Warum sollte ich Wein trinken, wenn ich so nah an Herford dran wohne?“. Für die Doppelvasen aus dem Kurz Um-Handwerksbetrieb fand sich eine lächelnde Britta Haßelmann. „Eine muss es ja machen“, so die Bundestagsabgeordnete der Grünen.

Haßelmann lieferte sich auch eine Angebotsschlacht um den Live-Auftritt der „Se Bethels“. Der SPD-Landtagsabgeordnete Günter Garbrecht bot ebenfalls mit (nach seinem Gewinn des Konzerts im vergangenen Jahr), letztendlich konnte Kurz Um-Geschäftsführerin Anke Schmidt das Rennen mit 400 Euro für sich entscheiden. „Livemusik für die Betriebsfeier“, sagte Schmidt.

Ein japanischer Kimono im Partnerlook suchte ebenfalls neue Besitzer. „Welche Größe haben die denn?“ kam die Frage aus der Versammlung. Presch kürzte die Antwort ab auf: „Passt!“ Weg gingen die Kleidungsstücke für sechs Euro.

Politiker boten mit

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Immerhin: Günter Garbrecht freut sich mit Ehefrau Christa Großmann über einen ersteigerten Fischbräter.

Zwei weitere Vertreter der Politik waren anwesend: Grünen-Ratsfraktionsgeschäftsführer Klaus Rees ergatterte einen silbernen Pudding-Anhänger von Dr. Oetker. Landtagsabgeordneter Matthi Bolte (Grüne) sicherte sich eine Schneekugel vom Landtag – allerdings war dieses Kleinod von der SPD hergestellt. Und es zerbrach bei der Übergabe, der Inhalt floß aus. Presch wertete das zwinkernd als „Zeichen“.

Ein Koffer mit Pokerkarten und -jetons ging an die Frau. Ilona Füchtenschnieder, Leiterin der NRW-Koordninierungsstelle Glücksspielsucht, sicherte sich dieses Set. „Konfisziert“, wie sie sagte. Und dass Auktionator Presch ein netter Mensch ist, zeigte er, als die 7-jährige Emma sich für einen blinkenden Wecker interessierte. „3, 2, 1, hier vorne“, sagte er schnell, der Hammer flog und das Objekt war für einen Euro vergeben.

Am Ende ging noch ein ganzes Klavier für nur drei Euro weg. Und Preschs Stimme musste nach drei Stunden kämpfen. Aber Vergnügen hatte es allen Beteiligten auch in diesem 15. Jahr der Wichtel-Versteigerungen bereitet.

Alle Einnahmen gehen an Widerspruch e.V.

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Klaus Rees mit seinem silbernen Pudding-Anhänger.

Wie immer kommt das Ergebnis komplett einem guten Zweck zu. In diesem Jahr kann sich der Verein Widerspruch e.V. über die Einnahmen freuen. Widerspruch e.V. unterstützt seit fast 30 Jahren Betroffene bei Fragen und Problemen rund um Sozialhilfe, Arbeitslosengeld II, Grundsicherung, Wohngeld oder anderen Sozialleistungen unterstützt und setzt so einen Gegenpol zu der oft unzureichenden Information, Beratung und Aufklärung durch die Ämter.

Ob es an den vielen Einsendungen an Geschenken lag oder an dem mittlerweile großen Besucherandrang: Nach dem Rekord vom letzten Jahr (1.150 Euro) wurde dieser in 2014 mit 1.238 Euro wieder getoppt. Und es wird sogar noch etwas hinzu kommen: Denn die Heilsarmee hatte Kaffee gegen Spenden verteilt.

 

 

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