Auf und Ab in Liebesbriefen

Auf und Ab in Liebesbriefen

Klingeling, das Glöckchen läutet und kündigt einen neuen, schriftlichen Gruß zum Weihnachtsfest an. Zu einer bestimmten Zeit im Leben von Andy und Melissa sind diese Grüße  vorherrschend, haben sie sich doch zwischenzeitig nicht viel zu sagen.

Doch zwischendurch und immer wieder ist der briefliche Kontakt zwischen den beiden intensiv. Und es begann alles mit dem Dankesschreiben Andys an Melissas Mutter für die  Einladung zum Geburtstag ihrer Tochter. Das war im ahr 1937.

Ein ungewöhnliches Kammerstück präsentierten Aiga Kornemann und Andreas Wenzel am Donnerstag in der Bürgerwache. Oder sollte man besser sagen: Lesung? Unter der Regie von Matthias Harre trugen sie im Duett  „Love Letters“ vor, einem 1988 uraufgeführten Kammerspiel von Albert Ramsdell Gurney.

50 Jahre verschriftlichte Beziehung

Man könnte auf die Idee kommen, es handele sich dabei um einen Briefroman zwischen zwei Liebenden. Aber so, wie Wenzel und Kornemann die anfangs schüchtern gehaltenen Kärtchen, später die längeren, auch klagenden Briefe der _MG_8556abeiden vortrugen, war bald klar, dass es sich hier um ein Bühnenstück handeln musste. 50 Jahre verschriftlichte Beziehung hat Gurney vorgezeichnet und die Vortragenden wussten die beginnende, naive Texterei aus dem Klassenzimmer eben so gut zu durchleben wie die späteren, reifen Poeme Andys über seinen Hang zum Brief und zur „Verewiglichung“ seines Selbst auf Papier – während Melissa schon früh das Telefonieren einklagte und nie bekam.

Die Zuhörer im Bürgerwachen-Saal erlebten dank der Interpretation – und dank des begleitenden Spannungsbögen von Jörg Hansens Schlagzeug-Percussions – die Reifung zweier ehemaliger Ostküstenkinder. Und auch ihr späteres – wenn auch zunächst nur regionales – Auseinanderleben. Sie blieben einander mit dem Brief verbunden, verfolgten aber jeweils völlig andere Lebenspläne: Machte Andy Karriere, gelangte zu einer Familie und berichtete Melissa davon in einem seiner (kopierten) Weihnachtsgrüße, geriet sie in holprigen Künstlerinnenlaufbahn in einen gleichzeitigen Wutausbruch über dessen Spießigkeit.

Erst spät – nach Melissas Tod – erkannte Andy in einer Beileidsbekundung wieder, was sie ihm bedeutet hatte. So schloss sich der Kreis zum Beginn und dem ersten Briefkontakt an ihre Mutter. Sehr zu seinem Bedauern. Zu spät.

Es ist nr noch eine weitere Aufführung von „Love Letters“ geplant. Am Samstag, 20. Februar 2016, findet diese ab 20 Uhr in der Kulturwerkstatt Hiddenhausen statt, Maschstr. 26.

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