Ab Freitag: Werkschau in der Gestaltungs-FH

Ab Freitag: Werkschau in der Gestaltungs-FH

An der Gestaltungs-FH gibt es ab Freitag, 27. Januar, wieder jede Menge zum Gucken und zum Bestaunen. 55 AbsolventInnen zeigen während der „Werkschau“ ihre Abschlussarbeiten aus den drei Fachrichtungen Mode, Grafik und Kommunikation sowie Fotografie und Medien.

Die Master-Studentinnen Alina Hübscher und Vanessa Di Giulio waren für das Design des Ausstellungskatalogs und überhaupt die gesamte Präsentation mit Plakaten, Flyern, Lageplänen etc. verantwortlich. Für sie stellt die Werkschau eine „Überschneidung zweier Phasen, dem Ende des Studiums und eben etwas Anderem, womöglich Ungewissen“ dar. Vielen der  talentierten AbsolventInnen scheint angesichts ihrer Werke eine spannende Zukunft gewiss zu sein (Der Werkschau-Katalog als PDF hier).

Da ist zum Beispiel Erik Machens, der Zeit seines Lebens Rollstuhlfahrer ist – und es zum Tanz-Europameister auf

Erik Machens - "F.R.E.A.K."

Erik Machens – „F.R.E.A.K.“

zwei Rädern geschafft hat, im letzten Jahr sogar zum Vize-Weltmeister. Er gründete satirisch die ‚weltweit operierende‘ Menschenrechtsbewegung „F.R.E.A.K. International“ und wirbt mit Aktionen, Plakaten, Trailern und Giveaways für die Inklusion und gegen Benachteiligung, beispielhaft an Stigmatisierungen von Schwulen, Schwarzen, Frauen und Behinderten. Es soll sogar ein Verein entstehen, der Bewusstein schaffen und Aktionen planen soll. Bezeichnenderweise war der Ort für seine Präsentation innerhalb der FH gleich die erste Aktion: Er wählte – mit Hilfe von Mitstudenten – die Empore vor der Bibliothek, die als einziges nicht barrierefrei erreichbar ist. Und mit seinen Worten: „Exklusion für alle. Oder Inklusion für jeden.“

Erblindung verarbeitet

Sein Kollege Jan Maschinski setzt sich in seiner Arbeit „Bad Luck“ (siehe Titelbild) ebenfalls mit einem persönlichen Schicksal auseinander. Im Alter von neun Jahren explodierte während einer Silvesterfeier vor seinem Auge ein Knallkörper, weshalb er seitdem auf dem rechten Auge blind ist. Die Angst und der mögliche Verlust weiterer Fähigkeiten beschäftigten ihn enorm, aber er hat eben diese Emotionen ironisch umgesetzt, nicht nur mit Fotografien. Es sind Bilder fingierter abgetrennter Sinnesorgane zu sehen, aber auch Installationen wie zum Beispiel einem rosa Mini-Kickertisch ohne Beine. Außerdem visualisierte er den letzten Moment, den er dreidimensional sehend erlebte: Den Böller kurz vor dem Knall. Prädikat: Stark.

Alexandra Polina - "Mythen, Masken und Subjekte"

Alexandra Polina – „Mythen, Masken und Subjekte“

Die Fotografin Alexandra Polina nahm sich ein ganz anderes Sujet vor. Sie arbeitete mit Vorurteilen und Stereotypen. In unterschiedlichen Situationen porträtierte sie – teilweise Bielefelder – Menschen, die sich zwar äußerlich von der Mehrheit der Gesellschaft unterscheiden, jedoch in Deutschland geboren, aufgewachsen und sozialisiert wurden. Und dann stellte sie daneben Grafiken, die exotisch assoziiert werden: Äpfel auf einem afrikanischen Tuch, arabische oder mit einem Zebramuster ausgestattete Sofabezüge (die sich erst bei genauem Hinsehen als Bezüge erweisen). Auf einem der Bilder verbrennt eine Frau mit Kopftuch einige Seiten aus einem vor ihr aufgeschlagenen Buch. „Viele Leute denken, das Buch vor ihr sei der Koran. Dabei ist es ein Wörterbuch,“ entwaffnet Polina im Gespräch.

Auf eine extrem abstrakte Arbeit hat sich Felix Nürmberger eingelassen. Er beobachtete das „ausgelagerte Gehirn“

Felix Nürmberger - "Caressing my external brain"

Felix Nürmberger – „Caressing my external brain“

des Individuums – in diesem Fall sein eigenes Smartphone – und schrieb eine App um, die die Bewegungen mit dem Gerät erfasste und zusammensetzte. Das Ergebnis sind Bilder vom Wischen und Bewegen. Er ist überzeugt: „Aus den Streichbewegungen auf dem Interface lassen sich auch meine Gemütszustände erkennen.“ In welche Richtung die Kritik geht, dürfte klar sein: Datenerfassung. In einem Nebenprojekt druckte er die Datenschutzrechtlinien aller Websites aus, die er an einem Tag besucht hatte, und befüllte damit sechs Glaskästen. Das Ergebnis ist eindrucksvoll.

Den Traumschwund in Szene gesetzt

Morgane Overath - "Dreamscapes"

Morgane Overath – „Dreamscapes“

Gleich eingangs begegnen die Besucher den Fotografien von Morgane Overath. In „Dreamscapes“ widmete sie sich dem Moment des Aufwachens, wenn der Traum langsam vor den Augen verschwindet. Es sei weder ein „Hier“, noch ein „Dort“, sondern vielmehr ein „Dazwischen“. Hinter ihren nur ganz leicht verwischten Ansichten von scheinbar schwindenden Stadtsilhouetten verbirgt sich auch eine technisch interessante Idee: Wie sie verriet, stellte sie ihre Kamera vor den Gebäuden auf ein Stativ – und ließ bei einer längeren Belichtungszeit dann langsam die Mittelsäule des Stativs nach unten sinken. Schlau.

Beim freitäglichen Pressetermin befand sich die Mode-Abteilung noch mitten in den Abschlussprüfungen, sie wird aber bei der Werkschau stark vertreten sein. Katja Skoppek ist eine von ihnen, wusste aber noch nichts von ihrer

Katja Skoppek - "Die ferne Nähe"

Katja Skoppek – „Die ferne Nähe“

Benotung. Sie darf aber zuversichtlich sein. In „Die ferne Nähe“ beschäftigt sie sich mit modernen Freundschaften und Beziehungen, die bei der Generation 2.0 zunehmend über Entfernungen stattfinden. Geborgenheit und Vertrautheit in einer Welt, in der Kommunikation vermehrt virtuell geschieht. Ihre Kleidungsstücke sind eine Auseinandersetzung mit diesem Problem – und so wird aus einem Mantel auch einmal eine Bettdecke.

Und es gibt noch viel, viel mehr zu sehen.

Ausstellungseröffnung ist am Freitag, 27. Januar, ab 18 Uhr in der Fachhochschule für Gestaltung, Lampingstraße 3. Außerdem kann sie am Samstag von 11 bis 18 Uhr und am Sonntag von 11 bis 17 Uhr besichtigt werden.

Grund zum Feiern gibt es nach der Eröffnung im Cutie an der Große-Kurfürsten-Straße 81 (für die Mode-Absolventen wünscht Bielefelds Westliche dann noch toi, toi, toi). Denn dort findet die Werkschau-Aftershow-Party statt. Ab 23 Uhr, Eintritt 5 Euro.

Der Mitleser Wilfried Staemmler war ebenfalls auf der Ausstellung und hat Bielefelds Westliche freundlicherweise seine fotografischen Eindrücke überlassen:

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